Manche Pflanzen fallen einem erst auf, wenn man anfängt, sie zu zählen. Bei mir war es die Ringelblume.
Ich habe neulich mein Sortiment durchgesehen und festgestellt: Sie steckt in der Creme, in der Seife, in der Blütenessenz, im Räucherwerk, in den Kerzen und in einigen Teemischungen. Nicht als Hauptdarstellerin, meist als eine unter mehreren, aber sie ist überall. Und genau das ist das Interessante an ihr.
Denn das war sie immer schon: die Pflanze, die in jedem Klostergarten stand, weil man sie für alles brauchte.
Warum heißt sie Calendula?
Wegen des Kalenders. Der lateinische Name kommt von calendae, dem ersten Tag des Monats, jenem Tag, an dem im alten Rom die Schulden fällig wurden und der Monat ausgerufen wurde.
Die Pflanze trägt diesen Namen, weil sie fast das ganze Jahr über blüht. Von Mai bis in den November hinein, in milden Jahren bis Dezember. Sie hört einfach nicht auf. Für einen Klostergarten, in dem etwas verlässlich verfügbar sein musste, war das ein entscheidender Vorzug.
Und dann der zweite Teil des Namens, der mich als Betreiberin eines "Klosterlädchens "jedes Mal freut: officinalis. Er bedeutet „zur Offizin gehörig" - die Offizin war der Arbeitsraum der Klosterapotheke. Nur Pflanzen mit erwiesenem Nutzen bekamen diesen Beinamen. Calendula officinalis heißt wörtlich: die Kalenderblume, die in die Apotheke gehört.
Man muss das einen Moment stehen lassen. Ein Name, der eine ganze Institution in sich trägt.
Und warum Ringelblume?
Nicht wegen der Blüte, wie viele annehmen, sondern wegen der Samen. Wenn die Blüte verblüht ist, bleiben gebogene, geringelte Samen zurück, die wie kleine Krallen oder Sicheln aussehen. Daher „Ringelblume".
Sie hatte noch andere Namen: Totenblume, weil sie auf Gräbern gepflanzt wurde und weil sie im Herbst noch blüht, wenn anderes längst vorbei ist. Goldblume. Butterblume. Sonnwendblume. Es sagt viel über eine Pflanze, wenn sie so viele Namen trägt – man kannte sie überall.
Ist die Ringelblume dasselbe wie die Studentenblume?
Nein, und das ist die häufigste Verwechslung überhaupt.
Die Studentenblume oder Tagetes (Tagetes patula, Tagetes erecta) sieht ähnlich aus, ist orange bis gelb, blüht ebenfalls lange – stammt aber aus Mittelamerika und kam erst nach 1500 nach Europa. Sie riecht deutlich streng, wenn man die Blätter zerreibt.
Die Ringelblume ist eine alte europäische Kulturpflanze, im Mittelmeerraum beheimatet, seit der Antike bekannt. Ihre Blütenblätter sind klebrig-harzig, wenn man sie zwischen den Fingern reibt, und riechen leicht bitter-würzig.
Im Englischen heißen beide „marigold", was die Verwirrung nicht kleiner macht. Wer Ringelblume meint, muss pot marigold sagen. Für die Küche und für Hautpflege ist ausschließlich die Calendula gemeint.
Was wusste Hildegard über sie?
Hildegard von Bingen nennt sie in ihrer Physica „Ringula" und beschreibt sie als warm und feucht. Sie verwendet sie bei verdorbener Speise und bei Ausschlägen der Haut, meist gekocht und äußerlich aufgelegt.
Was mich daran fasziniert, ist nicht die einzelne Anwendung, sondern die Selbstverständlichkeit. Hildegard führt viele Pflanzen mit ausführlichen Warnungen auf, bei der Ringula gibt es keine. Sie ist eine der unkomplizierten.
Und noch etwas: Hildegard und Sebastian Kneipp, zwischen denen siebenhundert Jahre liegen und die selten dieselben Pflanzen empfahlen, waren sich bei der Ringelblume einig. Wenn zwei so unterschiedliche Traditionen bei derselben Blüte landen, ist das ein Hinweis.
Ich sage das mit der gebotenen Vorsicht: Was hier steht, ist Überlieferung, keine Therapieempfehlung. Bei Hautproblemen, die nicht weggehen, gehört jemand angesehen und nicht eingecremt.
Die Blume, die der Sonne folgt
Das ist der Teil, den ich in Seminaren gerne erzähle.
Die Ringelblume öffnet ihre Blüten am Vormittag und schließt sie am Nachmittag. Und sie schließt sie auch, wenn Regen aufzieht - zuverlässig genug, dass Bauern sie jahrhundertelang als Wetteranzeiger nutzten. Bleiben die Blüten morgens zu, wird es nass.
Diese Bewegung erklärt ihre ganze Symbolik. Eine Blume, die sich am Licht orientiert und sich schützt, wenn es dunkel wird, wurde zum Bild für Zuversicht, die nicht naiv ist. Deshalb heißt die Allgäuer Blütenessenz aus ihr auch Das Leben bejahen - nicht „Das Leben ist schön".
Bejahen ist eine Entscheidung, kein Gefühl.
Ihre Farbe ordnet sie dabei von selbst zu: Orange bis Gold, die Farben des Solarplexus, des dritten Zentrums, in dem es um Wille, Freude und die eigene Mitte geht. Mehr zu dieser Ordnung steht in Chakren: die sieben Tore.
Wo sie in meinem Laden überall auftaucht
Als ich angefangen habe zu suchen, wurde es eine lange Liste.
Auf der Haut. Die Hildegard Ringelblumencreme mit Bio-Ringelblumenextrakt, Mandelöl und Bienenwachs, und die MOOSMED Calendula Pflanzenseife aus der Seifenmanufaktur. Beide arbeiten mit dem, was seit Jahrhunderten für strapazierte Haut verwendet wird.
Als Essenz. Die Allgäuer Blütenessenz Ringelblume – zur äußeren Anwendung als Auraspray, nicht zum Einnehmen.
Im Rauch. Hier taucht sie am häufigsten auf, und immer dort, wo es um Licht geht: im Räucherwerk Sonnenkraft, im Lichtbringer, in den Jahreskreis-Räucherungen zu Ostara, Beltane und Samhain. Die Sonnenfeste ohne die Sonnenblüte – das gibt es nicht. Wie geräuchert wird, steht in Rundum richtig räuchern, und die Feste selbst beschreibe ich im keltischen Jahresrad.
Im Licht. In den Allgäuer Heilkräuterkerzen LEBENSFREUDE und DANKE sowie im Windlicht Berglicht FREUDE. Man sieht die Blütenblätter im Wachs, wenn die Kerze brennt.
In der Tasse. In mehreren Teemischungen, unter anderem im Kräutertee Päuschen. Dort sorgt sie vor allem für Farbe, die orangenen Blätter machen jede Mischung schöner, und das ist ein legitimer Grund.
Kann ich sie selbst verwenden?
Ja, und es ist eine der dankbarsten Pflanzen für den Anfang.
Sie wächst fast überall, sät sich selbst aus und blüht im ersten Jahr. Wer sie im Frühjahr sät, hat ab Juni Blüten. Geerntet wird bei Sonne am späten Vormittag, wenn die Blüten offen sind und der Tau weg ist.
Zum Trocknen die ganzen Blütenköpfe oder nur die Zungenblüten dünn ausgebreitet an einen luftigen, schattigen Ort legen - nie in die Sonne, sonst verblasst das Orange. Richtig getrocknet knistern sie zwischen den Fingern.
Für einen Ölauszug füllt man ein sauberes Glas locker mit trockenen Blüten, gießt gutes Öl darüber, bis alles bedeckt ist, und lässt es zwei bis drei Wochen warm stehen. Dann abseihen.
Wichtig: Die Blüten müssen wirklich trocken sein.
Restfeuchte lässt den Ansatz verderben, und das merkt man erst, wenn es zu spät ist.
Und die Blütenblätter sind essbar. Sie waren jahrhundertelang der „Safran des armen Mannes", weil sie Suppen und Butter gelb färben. Der Geschmack ist mild-bitter, die Farbe ist der eigentliche Grund.
Häufige Fragen
Was bedeutet Calendula officinalis?
Calendula kommt von calendae, dem ersten Tag des Monats - die Pflanze blüht fast das ganze Jahr. Officinalis heißt „zur Offizin gehörig", also zum Arbeitsraum der Klosterapotheke. Diesen Beinamen bekamen nur Pflanzen mit anerkanntem Nutzen.
Ist Ringelblume dasselbe wie Tagetes?
Nein. Tagetes, die Studentenblume, stammt aus Mittelamerika und kam erst nach 1500 nach Europa. Die Ringelblume ist eine alte europäische Kulturpflanze. Beide heißen auf Englisch „marigold", was die Verwechslung erklärt – gemeint ist bei Calendula stets pot marigold.
Wann erntet man Ringelblumen?
An einem sonnigen Vormittag, wenn die Blüten geöffnet und abgetrocknet sind. Bei Regen bleiben sie geschlossen, dann lohnt der Gang nicht.
Warum schließt die Ringelblume ihre Blüten?
Sie folgt dem Licht und schließt sich am Nachmittag sowie bei aufziehendem Regen. Diese Zuverlässigkeit machte sie über Jahrhunderte zu einem bäuerlichen Wetteranzeiger.
Kann man Ringelblumenblüten essen?
Ja, die Zungenblüten sind essbar und färben Speisen goldgelb. Man nannte sie deshalb den Safran des armen Mannes. Geschmacklich sind sie mild und leicht bitter.
Wie setzt man ein Ringelblumenöl an?
Ein sauberes Glas locker mit vollständig getrockneten Blüten füllen, mit gutem Öl bedecken, zwei bis drei Wochen warm stehen lassen, dann abseihen. Entscheidend ist, dass die Blüten wirklich trocken sind Restfeuchte verdirbt den Ansatz.
Was schrieb Hildegard von Bingen über die Ringelblume?
Sie nennt sie in der Physica „Ringula", beschreibt sie als warm und feucht und verwendet sie äußerlich bei Hautausschlägen sowie bei verdorbener Speise. Auffällig ist, dass sie im Unterschied zu vielen anderen Pflanzen ohne Warnhinweise auskommt.
Von Herz zu Herz,
Nicole Diana
Nicole Diana Engelhardt ist Heilpraktikerin und Seminarleiterin für energetische Heilkunst. Am Institut für NeuroSpirituelle Integration (INSI) bildet sie im Lehrgang „NSI Practitioner“ Menschen aus, die geistig-spirituelle Heilweisen professionell weitergeben möchten. Ihre Naturheilpraxis führt sie in Monatshausen bei Tutzing.
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