Hildegard Bio Trank Hirschzunge in der 500-ml-Flasche neben einem Hirschzungenfarn auf Holz

Hirschzunge: das Kraut für Leber und Hormonhaushalt

Die Hirschzunge trägt ihren Namen nicht zufällig. Ihre langen, ungezähnten Blätter erinnern an eine ausgestreckte Zunge – und in der Signaturenlehre, die Hildegard von Bingen ebenso kannte wie die Mönche vor ihr, war das kein Zufall, sondern ein Hinweis. Die Natur zeigt, was sie kann. Man muss nur hinsehen.

Was ist Hirschzunge überhaupt?

Ein Farn, botanisch Asplenium scolopendrium. Er wächst in schattigen, feuchten Schluchten, oft an Kalkfelsen, und gehört zu den wenigen Farnen mit ungeteilten Blättern – daher die Form, die dem Kraut seinen Namen gab.

Hildegard beschreibt ihn im Zusammenhang mit Leber, Lunge und den Eingeweiden. Sie empfahl ihn nicht als Tee, sondern eingebettet in Wein und Honig. Diese Trias hatte in der Klostermedizin System: Der Wein trägt die Pflanzenstoffe tief in den Körper, der Honig mildert und verbindet, das Kraut wirkt.

Hildegard Bio Trank Hirschzunge in der 500-ml-Flasche neben einem Hirschzungenfarn auf Holz
Der Farn und die Flasche – dazwischen liegen achthundert Jahre.

Was hat die Leber mit den Hormonen zu tun?

Mehr, als die meisten wissen. Die Leber baut ab, was nicht mehr gebraucht wird – und schafft damit Raum für das, was kommen soll. Im Kontext der Wechseljahre ist das keine Metapher, sondern Physiologie: Östrogen wird in der Leber metabolisiert und ausgeschieden.

Läuft dieser Prozess reibungslos, reguliert sich vieles von selbst – Stimmung, Schlaf, Wärmehaushalt, innere Ruhe. Gerät er ins Stocken, spürt man das lange, bevor ein Laborwert es zeigt.

Genau dort beschreibt Hildegard die Hirschzunge: bei Leber und Milz, also an der Stelle, an der dieser Umbau stattfindet. Sie hatte keine Vorstellung von Hormonen. Sie hatte eine Beobachtung. Dass beides sich heute trifft, finde ich bemerkenswert.

Und die Lunge?

Gehört bei Hildegard dazu – und zwar nicht als zweites Anwendungsgebiet, sondern als Folge desselben Gedankens. In ihrem Satz stehen beide nebeneinander: „dies nützt der Leber, reinigt die Lunge und ist gut für die Eingeweide.“

Hildegard führte hartnäckigen Husten auf eine geschwächte Leber zurück. Für sie war das kein Gedankensprung, sondern eine Kette: Was die Leber nicht abbaut, sucht sich einen anderen Weg nach draußen, und der führt über die Atemwege. Deshalb empfahl sie die Hirschzunge bei langwierigem Husten als mehrwöchige Kur mit ansteigender Menge – nicht als schnelles Mittel, sondern als geduldige Arbeit an der Ursache.

Ob man dieser Herleitung folgt, muss jede für sich entscheiden; wissenschaftlich belegt ist sie nicht. Mir gefällt daran etwas anderes: Hildegard hat nie ein Organ isoliert betrachtet. Sie dachte in Ketten, nicht in Zuständigkeiten. Diese Haltung fehlt der modernen Medizin manchmal – und sie ist der Grund, warum ihre Rezepturen so oft mehrere Organe gleichzeitig ansprechen.

Wann empfehle ich sie in der Praxis?

Meist dann, wenn Patientinnen mit einer Erschöpfung kommen, die sich nicht recht erklären lässt. Sie schlafen, aber sie erholen sich nicht. Der Blutbefund ist unauffällig. Sie sagen Sätze wie „Ich fühle mich, als würde ich durch Wasser gehen.“

Das ist oft die Zeit zwischen Mitte vierzig und Mitte fünfzig, in der der Körper still umbaut. Die Hirschzunge ersetzt keine Hormone. Sie begleitet den Körper in seiner eigenen Regulationsarbeit – leise, kontinuierlich, von innen.

Für Frauen in der Perimenopause, die ihrem Körper in dieser Übergangszeit etwas Tragendes mitgeben möchten, ist eine Hirschzungenkur deshalb mehr als Tradition. Sie ist eine informierte Entscheidung.

Wie sieht eine Hirschzungenkur aus?

Als Kur, nicht als Dauergabe. Eine bis zwei Wochen, dreimal täglich ein halbes Likörglas vor und nach dem Essen. Danach eine Pause.

Hildegard dachte in solchen Rhythmen, und ich halte das für klug. Eine Kur hat einen Anfang und ein Ende. Sie ist eine Zeit, in der man dem Körper etwas schenkt, das er im Alltag nicht bekommt – und man merkt hinterher, ob sich etwas verändert hat. Bei einer Dauergabe merkt man das nie.

Besonders geeignet ist die kältere Jahreszeit, wenn der Körper ohnehin nach Wärme und Sammlung sucht.

Hildegard Hirschzungentrank mit eingeschenktem Glas neben Hirschzungenfarn
Ein halbes Likörglas – 25 bis 30 ml, dreimal am Tag.

Trank oder Essenz: was ist der Unterschied?

Der Trägerstoff, und der entscheidet oft die Wahl.

Der Hirschzungentrank folgt der Originalrezeptur mit Bio-Rotweincuvée und Blütenhonig. Der Alkoholgehalt von 7,5 Prozent gehört dazu – der Wein ist kein Genussmittel, sondern das Trägermedium, wie Hildegard es beschrieb.

Die Kräuteressenz Hirschzunge arbeitet stattdessen mit Glycerin und ist damit alkoholfrei. Für Frauen mit einer Lebererkrankung, mit einer Suchtvorgeschichte in der Familie oder schlicht mit dem Wunsch, keinen Alkohol zu nehmen, ist sie die richtige Wahl. Zwanzig Tropfen, zweimal täglich zwischen den Mahlzeiten. Mehr dazu in meinem Beitrag über die alkoholfreien Hildegard-Essenzen.

Was noch dazugehört

Ein Kraut allein trägt keine Lebensphase. Was ich in der Praxis daneben empfehle:

Bitterstoffe, weil sie die Verdauung anstößen und damit genau die Organe entlasten, um die es hier geht. Die Bitterkraut-Essenz mit Wermut, Angelika, Löwenzahn und Mariendistel ist dafür mein erster Griff – Mariendistel gehört seit Jahrhunderten zur Leber wie sonst kaum eine Pflanze.

Und die seelische Seite. Die Wechseljahre sind kein Organthema, sie sind ein Lebensthema. Das Bach Kombielixir Féminité von Elixirs & Co ist dafür gemacht: sieben Bio-Bach-Essenzen, unter anderem Walnuss für Übergänge und Scleranthus für die Unentschiedenheit, die viele Frauen in dieser Zeit an sich bemerken. Vier Tropfen in ein Glas Wasser, bis zu viermal täglich.

Ich sage meinen Patientinnen oft: Das eine arbeitet am Stoffwechsel, das andere am Gemüt. Beides gehört in dieselbe Zeit.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Hirschzungenkur?

Ein bis zwei Wochen, dreimal täglich ein halbes Likörglas. Eine 500-ml-Flasche reicht dafür etwa aus. Danach eine Pause von einigen Wochen, bevor man sie wiederholt. Hildegard selbst beschreibt für hartnäckige Beschwerden eine längere, ansteigende Kur über mehrere Wochen.

Wofür wurde die Hirschzunge überliefert?

Für Leber, Lunge und Eingeweide – in dieser Reihenfolge nennt Hildegard sie selbst. In alten Kräuterbüchern taucht sie zusätzlich bei Milzbeschwerden auf. Belege im heutigen Sinn gibt es dafür nicht; es ist Überlieferung, keine Studienlage.

Ist die Hirschzunge in der Schwangerschaft geeignet?

Nein. Der Trank enthält Alkohol, und unabhängig davon gehört jede Kur in dieser Zeit in ärztliche oder therapeutische Begleitung.

Kann ich die Hirschzunge nehmen, wenn ich Hormone einnehme?

Das besprich bitte mit Deiner Ärztin oder Deinem Therapeuten. Die Hirschzunge ist kein Hormonpräparat, aber bei laufender Therapie gehört jede Ergänzung abgestimmt.

Schmeckt der Trank wie Wein?

Er schmeckt herb und dunkel, mit einer klaren Honignote. Weniger wie Wein, mehr wie ein Kräuterlikör, dem der Zucker fehlt. Die meisten mögen ihn nach dem zweiten Mal.

Beide Formen findest Du in unserer Hildegard von Bingen Welt.


Die Signaturenlehre lehrte: Was einer Form ähnelt, wirkt auf sie. Die Hirschzunge mit ihrer zungenförmigen Gestalt steht seit Jahrhunderten für Ausdruck, innere Klärung, Stimme. Ob man dieser Bildsprache folgt oder nicht – die Pflanze hat ihren Platz in der europäischen Heilkunde lange vor jeder Interpretation gefunden. Und sie hat ihn bis heute.

Hildegard von Bingen: „Trinke oft nach dem Essen und vor dem Essen vom Hirschzungentrank, dies nützt der Leber, reinigt die Lunge und ist gut für die Eingeweide.“


Von Herz zu Herz,
Nicole Diana

Nicole Diana Engelhardt ist Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Hormontherapie und führt eine Naturheilpraxis in Monatshausen bei Tutzing. Sie arbeitet seit vielen Jahren mit der Heilkunde Hildegards von Bingen.

Besuche mich auch auf www.insi.life und www.engelhardt.eu